Die Frage, ob ein Pferd Mineralfutter benötigt, beschäftigt viele Pferdehalter. Schließlich besteht die tägliche Futterration meist aus Heu, Weidegras und eventuell etwas Kraftfutter. Doch reicht diese Grundfütterung wirklich aus, um ein Pferd mit allen wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen zu versorgen?
Die Antwort ist etwas komplexer als ein einfaches Ja oder Nein. Grundsätzlich liefern Heu und Gras bereits viele Nährstoffe, doch die Versorgung mit bestimmten Mineralstoffen ist heute oft nicht mehr vollständig gewährleistet.
Die Grundlage jeder gesunden Pferdefütterung ist Raufutter. Dazu gehören vor allem Heu, Gras oder Heulage. Ein Pferd sollte täglich etwa 1,5 bis 2 kg Raufutter pro 100 kg Körpergewicht aufnehmen, um Verdauung und Stoffwechsel stabil zu halten.
Raufutter liefert wichtige Bestandteile wie:
Energie
Rohfaser
Eiweiß
Mineralstoffe
Trotzdem deckt es den gesamten Bedarf an Spurenelementen oft nicht vollständig ab. Der Grund liegt vor allem in der Qualität und Herkunft des Futters.
In der Theorie könnte gutes Weidegras oder hochwertiges Heu einen Großteil der Mineralstoffe liefern. In der Praxis sieht die Situation jedoch häufig anders aus.
Untersuchungen zeigen, dass viele Grundfutter heute weniger Spurenelemente enthalten als früher. Gründe dafür sind unter anderem:
mineralstoffarme Böden
intensive Landwirtschaft
Veränderungen im Pflanzenbestand der Wiesen
Besonders betroffen sind Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Selen, deren Gehalte im Grundfutter häufig niedrig sind.
Dadurch entstehen in der Futterration oft Nährstofflücken, die langfristig Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit haben können.
Mineralstoffe erfüllen im Körper des Pferdes zahlreiche Funktionen. Sie sind wichtig für Knochen, Muskulatur, Stoffwechsel und das Immunsystem.
Ein ausgewachsenes Pferd mit etwa 500–600 kg Körpergewicht benötigt pro Tag ungefähr:
ca. 32 g Calcium
ca. 22 g Phosphor
ca. 12 g Magnesium
etwa 138 mg Kupfer
etwa 624 mg Zink
rund 1,8 mg Selen
Diese Mineralstoffe sind an wichtigen Prozessen beteiligt, zum Beispiel:
Knochen- und Zahnbildung
Muskel- und Nervenfunktion
Blutbildung
Zellschutz und Immunabwehr
Eine dauerhaft unausgewogene Versorgung kann daher langfristig Probleme verursachen.
Bei vielen Pferden, die hauptsächlich mit Heu gefüttert werden, reicht das Grundfutter nicht aus, um alle Spurenelemente vollständig abzudecken.
Interessanterweise sind manche Mineralstoffe im Heu sogar eher im Überfluss vorhanden, während andere fehlen. Heu enthält häufig ausreichend oder sogar viel Calcium, während Spurenelemente wie Zink oder Kupfer oft zu niedrig sind.
Das bedeutet:
Die Herausforderung liegt weniger in der Gesamtmenge an Mineralstoffen, sondern im richtigen Verhältnis der einzelnen Elemente.
Ob ein Pferd Mineralfutter benötigt, hängt stark von seiner individuellen Situation ab. Besonders sinnvoll kann eine Ergänzung sein bei:
Pferden, die überwiegend Heu und wenig Kraftfutter erhalten
Sportpferden mit höherem Nährstoffbedarf
Zuchtstuten, Fohlen oder Jungpferden
Pferden mit erhöhtem Bedarf durch Training, Wachstum oder Krankheit
Auch bei reiner Stallhaltung kann es sinnvoll sein, bestimmte Mineralstoffe oder Vitamine gezielt zu ergänzen.
Ein Mineralstoffmangel entwickelt sich meist schleichend und wird nicht sofort erkannt. Mögliche Anzeichen können sein:
stumpfes Fell
schlechte Hufqualität
erhöhte Infektanfälligkeit
Muskelprobleme
Leistungsabfall
Diese Symptome können viele Ursachen haben, doch eine unausgewogene Nährstoffversorgung kann dabei eine Rolle spielen.
Trotzdem gilt: Mehr Mineralstoffe sind nicht automatisch besser. Eine Überversorgung kann ebenso problematisch sein wie ein Mangel.
Deshalb sollte Mineralfutter immer:
zur gesamten Futterration passen
in der richtigen Menge gefüttert werden
ein ausgewogenes Verhältnis der Mineralstoffe enthalten
Im Idealfall basiert die Fütterung auf einer Rationsberechnung oder einer Heuanalyse, um den tatsächlichen Bedarf besser einschätzen zu können.
Nicht jedes Pferd benötigt automatisch Mineralfutter. Entscheidend ist immer die individuelle Futterration und der Bedarf des Pferdes.
In vielen heutigen Haltungsbedingungen kann Mineralfutter jedoch sinnvoll sein, um mögliche Nährstofflücken auszugleichen und eine ausgewogene Versorgung sicherzustellen. Besonders bei Rationen, die überwiegend aus Heu bestehen, kann eine gezielte Ergänzung dazu beitragen, den Mineralstoffbedarf zuverlässig zu decken.
Eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung ist damit ein wichtiger Baustein für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und langfristiges Wohlbefinden des Pferdes.
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